Discussion:
Insolvenz in Eigenverwaltung
(zu alt für eine Antwort)
Stefan Schmitz
2017-11-01 16:02:20 UTC
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Raw Message
Dass ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt wird, scheint immer
noch die absolute Ausnahme zu sein.
Da frage ich mich, warum das gerade bei AirBerlin so angeordnet wurde. Schließlich
wurden hier gar keine Anstrengungen zur Sanierung vorgenommen. Es ging nur um
den Verkauf von Unternehmensteilen, und jetzt ist sogar der Geschäftsbetrieb
ganz eingestellt worden. Was bringt es da noch, die alte Unternehmensführung am
Ruder zu belassen?

Außerdem ist in den Medien immer vom "Generalbevollmächtigten" die Rede, obwohl
die InsO nur vom Sachwalter spricht. Woran liegt das?
Ulrich Maier
2017-11-01 21:44:44 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Dass ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt wird, scheint immer
noch die absolute Ausnahme zu sein.
Da frage ich mich, warum das gerade bei AirBerlin so angeordnet wurde. Schließlich
wurden hier gar keine Anstrengungen zur Sanierung vorgenommen.
Die Sanierung ist nicht zwingend, s. § 270 InsO.
Post by Stefan Schmitz
Es ging nur um den Verkauf von Unternehmensteilen, und jetzt ist sogar der Geschäftsbetrieb
ganz eingestellt worden. Was bringt es da noch, die alte Unternehmensführung am
Ruder zu belassen?
Geringere Verfahrenskosten, daher höhere Quote.

Außerdem dürfte der Zeitvorteil erheblich gewesen sein, da sich ein
Insolvenzverwater erst in die Materie hätte einarbeiten müssen. Auch das
lag im Interesse der Gläubiger.

U.
Stefan Schmitz
2017-11-02 21:37:16 UTC
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Raw Message
Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Es ging nur um den Verkauf von Unternehmensteilen, und jetzt ist sogar der Geschäftsbetrieb
ganz eingestellt worden. Was bringt es da noch, die alte Unternehmensführung am
Ruder zu belassen?
Geringere Verfahrenskosten, daher höhere Quote.
Welche Kosten entfallen denn? Der Sachwalter muss doch auch bezahlt werden.
Post by Ulrich Maier
Außerdem dürfte der Zeitvorteil erheblich gewesen sein, da sich ein
Insolvenzverwater erst in die Materie hätte einarbeiten müssen. Auch das
lag im Interesse der Gläubiger.
Dieses Argument zieht nach Verkauf und Einstellung des Betriebs nicht mehr.
Ulrich Maier
2017-11-03 07:35:45 UTC
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Raw Message
Post by Stefan Schmitz
Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Es ging nur um den Verkauf von Unternehmensteilen, und jetzt ist sogar der Geschäftsbetrieb
ganz eingestellt worden. Was bringt es da noch, die alte Unternehmensführung am
Ruder zu belassen?
Geringere Verfahrenskosten, daher höhere Quote.
Welche Kosten entfallen denn? Der Sachwalter muss doch auch bezahlt werden.
Der tut aber (deutlich) weniger und ist daher (deutlich) billiger als
ein Insolvenzverwalter mit seinem Stab.
Post by Stefan Schmitz
Post by Ulrich Maier
Außerdem dürfte der Zeitvorteil erheblich gewesen sein, da sich ein
Insolvenzverwater erst in die Materie hätte einarbeiten müssen. Auch das
lag im Interesse der Gläubiger.
Dieses Argument zieht nach Verkauf und Einstellung des Betriebs nicht mehr.
Aber bis zum Verkauf!

Ulrich
Stefan Schmitz
2017-11-03 20:59:45 UTC
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Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Post by Ulrich Maier
Außerdem dürfte der Zeitvorteil erheblich gewesen sein, da sich ein
Insolvenzverwater erst in die Materie hätte einarbeiten müssen. Auch das
lag im Interesse der Gläubiger.
Dieses Argument zieht nach Verkauf und Einstellung des Betriebs nicht mehr.
Aber bis zum Verkauf!
Das Verfahren wurde aber erst danach eröffnet.

Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen, den
Gläubigern zu schaden. Von daher bringt es nichts mehr, jetzt von der
Eigenverwaltung abzurücken.
Ulrich Maier
2017-11-03 22:40:25 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Post by Ulrich Maier
Außerdem dürfte der Zeitvorteil erheblich gewesen sein, da sich ein
Insolvenzverwater erst in die Materie hätte einarbeiten müssen. Auch das
lag im Interesse der Gläubiger.
Dieses Argument zieht nach Verkauf und Einstellung des Betriebs nicht mehr.
Aber bis zum Verkauf!
Das Verfahren wurde aber erst danach eröffnet.
Der Insolvenzverwalter wird allerdings sofort zugewiesen, nicht erst
nach Eröffnung.
U***@web.de
2017-11-04 09:29:38 UTC
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Am Freitag, 3. November 2017 21:59:47 UTC+1 schrieb Stefan Schmitz:

[AB]
Post by Stefan Schmitz
Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen, den
Gläubigern zu schaden.
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?

Gruß, ULF
Ulrich Maier
2017-11-04 12:10:30 UTC
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Post by U***@web.de
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?
Aus den Verkaufserlösen.
Stefan Schmitz
2017-11-04 17:31:43 UTC
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Post by U***@web.de
[AB]
Post by Stefan Schmitz
Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen, den
Gläubigern zu schaden.
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?
Das gehört ja wohl zu den Masseverbindlichkeiten.
Ulrich Maier
2017-11-04 20:37:00 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Post by U***@web.de
[AB]
Post by Stefan Schmitz
Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen, den
Gläubigern zu schaden.
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?
Das gehört ja wohl zu den Masseverbindlichkeiten.
Nein, eben nicht!

Ulrich
Stefan Schmitz
2017-11-04 20:43:50 UTC
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Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Post by U***@web.de
[AB]
Post by Stefan Schmitz
Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen, den
Gläubigern zu schaden.
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?
Das gehört ja wohl zu den Masseverbindlichkeiten.
Nein, eben nicht!
Es handele sich um einen Massekredit, der nach der Insolvenz gewährt worden und daher vorrangig zurückzuzahlen sei, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/28178120 ©2017
U***@web.de
2017-11-05 09:48:10 UTC
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Moin,
Post by Stefan Schmitz
Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Post by U***@web.de
[AB]
Post by Stefan Schmitz
Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen, den
Gläubigern zu schaden.
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?
Das gehört ja wohl zu den Masseverbindlichkeiten.
Nein, eben nicht!
Es handele sich um einen Massekredit, der nach der Insolvenz gewährt worden und daher vorrangig zurückzuzahlen sei, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/28178120 ©2017
Nicht ganz unkompliziert: https://www.buchalik-broemmekamp.de/fileadmin/user_upload/Veranstaltungen/Daniel_Trowski_Der_Massekredit.pdf

Gruß, ULF
Rupert Haselbeck
2017-11-04 22:30:06 UTC
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Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Post by U***@web.de
[AB]
Post by Stefan Schmitz
Allerdings dürfte jetzt auch nicht mehr so viel Gelegenheit bestehen,
den Gläubigern zu schaden.
Wie bringen die es denn fertig, das Regierungsdarlehen
vollständig zurückzuzahlen?
Angesichts des Wertes des Unternehmens bzw. der Verkaufserlöse dürfte das
recht einfach sein
Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Das gehört ja wohl zu den Masseverbindlichkeiten.
Nein, eben nicht!
Wie kommst du denn darauf, dass das keine Masseverbindlichkeit sein könnte?

MfG
Rupert
Ulrich Maier
2017-11-05 13:16:26 UTC
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Raw Message
Post by Rupert Haselbeck
Post by Ulrich Maier
Post by Stefan Schmitz
Das gehört ja wohl zu den Masseverbindlichkeiten.
Nein, eben nicht!
Wie kommst du denn darauf, dass das keine Masseverbindlichkeit sein könnte?
Habe den Begriff verwechselt. Sorry.

U.

Matthias Frank
2017-11-02 07:41:08 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Dass ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt wird, scheint immer
noch die absolute Ausnahme zu sein.
Gibt es dazu Statistiken?

Ich höre eigentlich dauernd davon. Gerade größere Firmen mit eigener
Rechtsabteilung können das stemmen.

Der Einzelselbstänidge oder Handwerker mit 3 Gesellen ist damit
überfordert.
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