Discussion:
Rechtmäßigkeit von Regiekosten (Baurecht)
(zu alt für eine Antwort)
Jochen Adler
2008-02-25 12:34:07 UTC
Hallo zusammen,

ich habe eine Frage zur Erhebung von Regiekosten:

Wir sind (zukünftige) Eigentümer einer im Bau befindlichen Eigentumswohnung
(3 Häuser mit jew. 5 Parteien). Lt. Kaufvertrag sind Sonderwünsche zulässig,
aber mit Regiekosten belegt.

Meines Erachtens ist die Erhebung von Regiekosten auf reine
Materialmehrkosten nicht statthaft, da eine "Regie" des Architekten und
Bauherrn im eigentlichen Sinne nicht stattfindet.

Beispiel:
Das Parkett hat nur eine andere Frage, bzw. ein anderes Material.
Verlegeart, Stärke, Kleber, etc. sind vollkommen identisch.
Auf die Materialkosten sollen jetzt Regierkosten in Höhe von 10% erhoben
werden, obwohl die Planung und die auszuführende Arbeit vollkommen identisch
zur Baubeschreibung ist.
Die Bemusterung ist übrigens vollkommen ohne Beteiligung bzw. Mitwirkung des
Architekten vorgenommen worden, d.h. er hat sich um "nix" gekümmert, möchte
aber jetzt kassieren.

Über Quellenangaben und einschlägige Urteile würde ich mich freuen.

Danke + Gruß, Jo

x'post de.sci. architektur, de.soc.recht. misc
Marianne Bloss
2008-02-25 14:04:27 UTC
Post by Jochen Adler
Meines Erachtens ist die Erhebung von Regiekosten auf reine
Materialmehrkosten nicht statthaft, da eine "Regie" des Architekten und
Bauherrn im eigentlichen Sinne nicht stattfindet.
Doch, Leistungen, die nach Stundenaufwand abgerechnet werden, sind
Regieleistungen. Darunter fallen auch die jeweiligen Materialkosten,
siehe VOB/B § 15.
Post by Jochen Adler
Das Parkett hat nur eine andere Frage, bzw. ein anderes Material.
Verlegeart, Stärke, Kleber, etc. sind vollkommen identisch.
Parkett ist nicht gleich Parkett, da gibt es erhebliche
Preisunterschiede und "nur andere Farbe und anderes Material" ... du
bist gut! Im Übrigen richtet sich der Materialpreis auch nach der
bestellten Menge, nachbestellte Kleinmengen können also teurer werden
und ebenso signifikante Mengenmehrungen.
Post by Jochen Adler
Auf die Materialkosten sollen jetzt Regierkosten in Höhe von 10% erhoben
werden, obwohl die Planung und die auszuführende Arbeit vollkommen identisch
zur Baubeschreibung ist.
Klingt plausibel, s.o.

Marianne
Frank Hucklenbroich
2008-02-25 14:30:46 UTC
Post by Marianne Bloss
Post by Jochen Adler
Meines Erachtens ist die Erhebung von Regiekosten auf reine
Materialmehrkosten nicht statthaft, da eine "Regie" des Architekten und
Bauherrn im eigentlichen Sinne nicht stattfindet.
Doch, Leistungen, die nach Stundenaufwand abgerechnet werden, sind
Regieleistungen. Darunter fallen auch die jeweiligen Materialkosten,
siehe VOB/B § 15.
Doch, die "Regie" besteht u.a. darin, daß der Architekt nun darauf achten
muß, in welche Wohnung eine "Extrawurst" kommt. Das ist in jedem Fall ein
gewisser Aufwand, vor allem, wenn es irgendwann 200 Käufer sind von denen
152 irgendwelche Sonderwünsche haben.
Post by Marianne Bloss
Post by Jochen Adler
Das Parkett hat nur eine andere Frage, bzw. ein anderes Material.
Verlegeart, Stärke, Kleber, etc. sind vollkommen identisch.
Parkett ist nicht gleich Parkett, da gibt es erhebliche
Preisunterschiede und "nur andere Farbe und anderes Material" ... du
bist gut! Im Übrigen richtet sich der Materialpreis auch nach der
bestellten Menge, nachbestellte Kleinmengen können also teurer werden
und ebenso signifikante Mengenmehrungen.
Full ACK - wenn serienmäßig in 50 Wohnungen das gleiche Parkett verlegt
wird und einer will ein anderes, dann ist das mitunter ein erheblicher
Preisunterschied. Bei 1000 m² zahlt man signifikant weniger als bei 30 m².
Post by Marianne Bloss
Post by Jochen Adler
Auf die Materialkosten sollen jetzt Regierkosten in Höhe von 10% erhoben
werden, obwohl die Planung und die auszuführende Arbeit vollkommen identisch
zur Baubeschreibung ist.
Nein, es muß auch überwacht werden, wo überall welche Sonderwünsche
reinkommen. Es ist ein Unterschied, ob der Architekt sagt "Ich plane 200
Wohnung gleicher Ausstattung" oder "Ich plane 200 Wohnungen und überall
kommt anderes Material rein". In letzterem Fall muß der Architekt nämlich
schwer aufpassen, welcher Sonderwunsch in welche Wohnung kommt. Auch
Abrechnungstechnisch ist das oft zusätzliche Arbeit, weil diese
Sonderwünsche separat kalkuliert und abgerechnet werden müssen.

Grüße,

Frank
Jochen Adler
2008-02-25 15:21:05 UTC
Post by Frank Hucklenbroich
Full ACK - wenn serienmäßig in 50 Wohnungen das gleiche Parkett verlegt
wird und einer will ein anderes, dann ist das mitunter ein erheblicher
Preisunterschied. Bei 1000 m² zahlt man signifikant weniger als bei 30 m².
Der Mehrungen durch das Material selbst stehen auch gar nicht zur Debatte,
das ist mir vollkommen klar.
Mir ging es nur um die Regiekosten auf den Materialmehrpreis

Gruß, Jo
Rolf Sonofthies
2008-02-25 20:09:42 UTC
Post by Jochen Adler
Meines Erachtens ist die Erhebung von Regiekosten auf reine
Materialmehrkosten nicht statthaft, da eine "Regie" des Architekten und
Bauherrn im eigentlichen Sinne nicht stattfindet.
...
Post by Jochen Adler
Die Bemusterung ist übrigens vollkommen ohne Beteiligung bzw. Mitwirkung des
Architekten vorgenommen worden, d.h. er hat sich um "nix" gekümmert, möchte
aber jetzt kassieren.
Der Architekt macht keine Bauüberwachung, VOB-Abnahmen,
Rechnungsprüfung, Überwachung der Mängelbeseitigung? Erst dann hätte er
sich wirklich um nichts gekümmert. Aber selbst dann herrscht noch
Vertragsfreiheit. Welches Gesetz sollte die Vertragsfreiheit hier
einschränken?
--
Rolf Sonofthies
Holger Pollmann
2008-02-25 22:29:35 UTC
Rolf Sonofthies <***@spammotel.com> schrieb:

f'up nach dsrm
Post by Rolf Sonofthies
Der Architekt macht keine Bauüberwachung, VOB-Abnahmen,
Rechnungsprüfung, Überwachung der Mängelbeseitigung? Erst dann
hätte er sich wirklich um nichts gekümmert. Aber selbst dann
herrscht noch Vertragsfreiheit. Welches Gesetz sollte die
Vertragsfreiheit hier einschränken?
§ 138 I BGB. Sowas ist sittenwidrig.
--
( ROT-13 if you want to email me directly: ***@ervzjrexre.qr )
"Das saarl. VwVfG läßt eine Interpretation deutscher Gesetze nur dann
zu, wenn sie nicht eindeutig sind." Manfred Saar, Präsident
Apothekerkammer d. Saarlandes. heute-journal v. 8. August 2006.
w***@gmx.net
2008-02-26 06:31:32 UTC
X-No-Archive:yes
Post by Jochen Adler
Meines Erachtens ist die Erhebung von Regiekosten auf reine
Materialmehrkosten nicht statthaft, da eine "Regie" des Architekten und
Bauherrn im eigentlichen Sinne nicht stattfindet.
Kümmerst du dich wirklich selber darum dass in deine Wohnung dein
Wunschparkett kommt? Da kommt an einem dir nicht bekannten Tag die
russische Baukolonne und du stehst da und erklärst wo was verlegt
werden soll.
Leider wurde dein Sonderwunschparkett nicht mitgeliefert, du
organisierst dann selber die Nachlieferung und die spätere Verlegung
durch Iwan und seine Jungs.
Und wenn in der Gerwährleistungszeit etwas nachgebessert werden muss
wendest du dich auch nicht an den Bauträger sondern sorgst selber
dafür dass nicht das Standardparkett sondern dein Sonderwunsch als
Ersatz geliefert wird.

Für diese Mehraufwände gibts den Regiezuschlag auf Sonderwünsche.


Walter
Marianne Bloss
2008-02-26 07:48:19 UTC
Post by w***@gmx.net
Post by Jochen Adler
Meines Erachtens ist die Erhebung von Regiekosten auf reine
Materialmehrkosten nicht statthaft, da eine "Regie" des Architekten und
Bauherrn im eigentlichen Sinne nicht stattfindet.
Kümmerst du dich wirklich selber darum dass in deine Wohnung dein
Wunschparkett kommt? Da kommt an einem dir nicht bekannten Tag die
russische Baukolonne und du stehst da und erklärst wo was verlegt
werden soll.
Leider wurde dein Sonderwunschparkett nicht mitgeliefert, du
organisierst dann selber die Nachlieferung und die spätere Verlegung
durch Iwan und seine Jungs.
Und wenn in der Gerwährleistungszeit etwas nachgebessert werden muss
wendest du dich auch nicht an den Bauträger sondern sorgst selber
dafür dass nicht das Standardparkett sondern dein Sonderwunsch als
Ersatz geliefert wird.
Für diese Mehraufwände gibts den Regiezuschlag auf Sonderwünsche.
Das ist so nicht richtig, denn es gibt keine Rechtsgrundlage für
Regiezuschlag auf Sonderwünsche. Zutreffend ist, dass der Materialpreis
vom bestellten Produkt und der bestellten Menge abhängt. Der
Regiemehraufwand für Sonderwünsche schlägt sich hier in der Anzahl der
geleisteten Stunden nieder.

Davon abgesehen ist es generell günstiger, Sonderwünsche frühzeitig,
also spätestens in der Entwurfsphase einzubringen. Dann werden sie in
der Ausschreibung mit erfasst und, soweit möglich, nicht nach Stunden
abgerechnet.

Marianne
Gerhard Faehling
2008-02-26 11:30:11 UTC
Post by Marianne Bloss
Das ist so nicht richtig, denn es gibt keine Rechtsgrundlage für
Regiezuschlag auf Sonderwünsche. Zutreffend ist, dass der Materialpreis
vom bestellten Produkt und der bestellten Menge abhängt. Der
Regiemehraufwand für Sonderwünsche schlägt sich hier in der Anzahl der
geleisteten Stunden nieder.
sicherlich gibt es eine Rechtsgrundlage - der OP schrieb, dass diese im
Kaufvertrag geregelt sind. Und so ein Vertrag ist eine prima
Rechtsgrundlage, jedenfalls soweit es um normales deutsches Recht geht.

Da wir alle aber nicht die genauen Regelungen kennen, die im Kaufvertrag
stehen, ist es recht müßig darüber zu spekulieren, was nun zulässig ist
oder nicht.


Ciao

Gerhard