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Privatinsolvenz - Forderungen anmelden
(zu alt für eine Antwort)
Martin Τrautmann
2017-10-04 20:55:34 UTC
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Raw Message
Hallo,

mein RA hat mich nun über das anstehende Insolvenzverfahren meines
Schuldners informiert.

Was heisst das für meine Forderungen? Da der Gerichtsvollzieher nach dem
"Offenbarungseid" ohnehin nichts mehr verwerten konnte heißt das, im
Insolvenzverfahren wird der Rest von nichts auf die Forderungen
verteilt? Nach sechs Jahren Wohlverhalten ist der Schuldner dann
schuldenfrei und mein Titel wertlos?

Lohnt sich überhaupt das Anmelden von Forderungen oder verursacht das
nur noch weitere Kosten?

Habe ich noch Chancen auf Rückzahlung meiner Forderungen?
Und sind die besser oder schlechter durch Anmeldung der Forderungen beim
Insolvenzverwalter?

Aus welcher Masse wird der Insolvenzverwalter überhaupt bezahlt?

Schönen Gruß
Martin
ottitale
2017-10-05 05:13:18 UTC
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Raw Message
Martin Τrautmann +t-***@gmx.net+brachte am Wed, 4 Oct 2017 20:55:34
-0000 (UTC) zum Thema "Privatinsolvenz - Forderungen anmelden" in der
Post by Martin Τrautmann
Hallo,
mein RA hat mich nun über das anstehende Insolvenzverfahren meines
Schuldners informiert.
Wenn das Verfahren eröffnet wird ist zumindest gesichert, das die
Verfahrenskosten gedeckt werden. Entweder durch Masse (also
Vermögenswerte) oder durch Raten des Schuldners
(Verfahrenskostenstundung). Bei Gläubigerantrag ggf. auch
Verfahrenskostenvorschuß.
Post by Martin Τrautmann
Was heisst das für meine Forderungen? Da der Gerichtsvollzieher nach dem
"Offenbarungseid" ohnehin nichts mehr verwerten konnte heißt das, im
Insolvenzverfahren wird der Rest von nichts auf die Forderungen
verteilt? Nach sechs Jahren Wohlverhalten ist der Schuldner dann
schuldenfrei und mein Titel wertlos?
Nicht ganz, aber fast. Der Schuldner muß sich im Verfahren um
angemessenes Einkommen bemühen. Der pfändbare Teil gelangt in die Masse
und wird, nach Tilgung der Verfahrenskosten, am Ende quotal auf die
Gläubiger verteilt.
Post by Martin Τrautmann
Lohnt sich überhaupt das Anmelden von Forderungen oder verursacht das
nur noch weitere Kosten?
Die Anmeldung der Forderung kostet nur etwas Zeit, Papier und Tinte. Das
ist kein Hexenwerk und kann, da es Muster im Netz gibt, sogar von jedem
erstellt werden. Das verursacht auch keine Kosten für den Gläubiger.
Post by Martin Τrautmann
Habe ich noch Chancen auf Rückzahlung meiner Forderungen?
Kommt darauf an, ob pfändbares Vermögen vorhanden ist oder pfändbares
Einkommen zu erwarten ist.
Post by Martin Τrautmann
Und sind die besser oder schlechter durch Anmeldung der Forderungen beim
Insolvenzverwalter?
Die Anmeldung ist die einzige Aussicht. Mit der Erteilung der
Restschuldbefreiung sind die Forderungen spätestens tot, auch wenn der
Gläubiger meint, nicht am Verfahren teilzunehmen.
Post by Martin Τrautmann
Aus welcher Masse wird der Insolvenzverwalter überhaupt bezahlt?
Entweder aus vorhandenem Vermögen, aus, bitte festhalten, Anfechtungen
(wenn einzelne Gläubiger vom Schuldner noch befriedigt wurden) oder aus
pfändbarem Einkommen des Schuldners.
--
Beginn eines Insolvenzverfahren:
Liebe Gläubige und Gläubiger...
Martin Τrautmann
2017-10-05 05:49:25 UTC
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Raw Message
Post by ottitale
Post by Martin Τrautmann
Und sind die besser oder schlechter durch Anmeldung der Forderungen beim
Insolvenzverwalter?
Die Anmeldung ist die einzige Aussicht. Mit der Erteilung der
Restschuldbefreiung sind die Forderungen spätestens tot, auch wenn der
Gläubiger meint, nicht am Verfahren teilzunehmen.
Und Restschuldbefreiung gibt es sogar schon nach drei Jahren, wenn 35 %
der Forderungen beglichen sind!?

Oder schon nach fünf Jahren, wenn die Verfahrenskosten beglichen sind!?
Post by ottitale
Post by Martin Τrautmann
Aus welcher Masse wird der Insolvenzverwalter überhaupt bezahlt?
Entweder aus vorhandenem Vermögen, aus, bitte festhalten, Anfechtungen
(wenn einzelne Gläubiger vom Schuldner noch befriedigt wurden) oder aus
pfändbarem Einkommen des Schuldners.
Sind die Schulden danach weg oder nicht?

https://de.wikipedia.org/wiki/Restschuldbefreiung
"Wird die Restschuldbefreiung erteilt, so erlöschen die Forderungen
gegen den Schuldner nicht; die Bezeichnung als Restschuldbefreiung ist
also missverständlich. Der Schuldner kann aber den Insolvenzgläubigern
gegenüber die Leistung verweigern. Die Forderungen werden also zu
sogenannten unvollkommenen Verbindlichkeiten (Naturalobligationen), die
zwar freiwillig erfüllt, aber nicht durchgesetzt werden können."

Sprich, man könnte Geld bekommen, wird es aber faktisch nie?

Von der Restschuldbefreiung ausgenommen wären vorsätzliche Delikte wie
Betrug. Aber wird bei einem Versäumnisurteil (Schuldner erschien nicht
vor Gericht) der Betrug zugestanden? War es in dem Fall sogar
prozesstaktisch geschickt, dass es zu keinem entsprechenden Urteil kam
sondern einfach nur der Titel ausgestellt wurde?

Schönen Gruß
Martin
ottitale
2017-10-05 16:54:12 UTC
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Raw Message
Martin Τrautmann +t-***@gmx.net+ brachte am Thu, 5 Oct 2017 05:49:25
-0000 (UTC) zum Thema "Re: Privatinsolvenz - Forderungen anmelden" in
Post by Martin Τrautmann
Post by ottitale
Post by Martin Τrautmann
Und sind die besser oder schlechter durch Anmeldung der Forderungen beim
Insolvenzverwalter?
Die Anmeldung ist die einzige Aussicht. Mit der Erteilung der
Restschuldbefreiung sind die Forderungen spätestens tot, auch wenn der
Gläubiger meint, nicht am Verfahren teilzunehmen.
Und Restschuldbefreiung gibt es sogar schon nach drei Jahren, wenn 35 %
der Forderungen beglichen sind!?
Oder schon nach fünf Jahren, wenn die Verfahrenskosten beglichen sind!?
Genau das. Wenn innerhalb der ersten 36 Monate 35% der Forderungen
befriedigt wurden, die zum Verfahren angemeldet wurden, und die
Verfahrenskosten bezahlt sind, nebst Vergütung des Treuhänders, dann
gibt es auf Antrag die Restschuldbefreiung. Allerdings führt die
Vergütung dazu, dass fast 75% der angemeldeten Forderungen i.d.R.
getilgt werden müssen, da zuerst die Verfahrenskosten dran sind.

Sind nur die Kosten gedeckt gelten die 5 Jahre.
Post by Martin Τrautmann
Post by ottitale
Post by Martin Τrautmann
Aus welcher Masse wird der Insolvenzverwalter überhaupt bezahlt?
Entweder aus vorhandenem Vermögen, aus, bitte festhalten, Anfechtungen
(wenn einzelne Gläubiger vom Schuldner noch befriedigt wurden) oder aus
pfändbarem Einkommen des Schuldners.
Sind die Schulden danach weg oder nicht?
https://de.wikipedia.org/wiki/Restschuldbefreiung
"Wird die Restschuldbefreiung erteilt, so erlöschen die Forderungen
gegen den Schuldner nicht; die Bezeichnung als Restschuldbefreiung ist
also missverständlich. Der Schuldner kann aber den Insolvenzgläubigern
gegenüber die Leistung verweigern. Die Forderungen werden also zu
sogenannten unvollkommenen Verbindlichkeiten (Naturalobligationen), die
zwar freiwillig erfüllt, aber nicht durchgesetzt werden können."
Sprich, man könnte Geld bekommen, wird es aber faktisch nie?
Genau das. Die Schulden sind zwar vorhanden aber nicht mehr
vollstreckbar/beitreibbar. Freiwillige Zahlungen des Schuldners könnten
theoretisch vorkommen, z.B. wenn Weihnachten und Ostern am selben Tag
sind oder ein Zitronenfalter neue Südfrüchte zum falten bekommt. Also
praktisch: nie.
Post by Martin Τrautmann
Von der Restschuldbefreiung ausgenommen wären vorsätzliche Delikte wie
Betrug. Aber wird bei einem Versäumnisurteil (Schuldner erschien nicht
vor Gericht) der Betrug zugestanden? War es in dem Fall sogar
prozesstaktisch geschickt, dass es zu keinem entsprechenden Urteil kam
sondern einfach nur der Titel ausgestellt wurde?
Das betrifft Schulden aus sogenannter unerlaubter Handlung. Aber das ist
ein umfangreiches und meist komplexes Problem. Nicht alles, was einem
Gläubiger unlauter erscheint ist auch unerlaubt. Der Gläubiger muß
allerdings seine Forderung auch als solche aus vorsätzlicher unerlaubter
Handlung geltend gemacht haben.
--
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Auch Wurst und Käse sollen sein.
U***@web.de
2017-10-06 07:52:57 UTC
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Raw Message
Post by ottitale
Post by Martin Τrautmann
Von der Restschuldbefreiung ausgenommen wären vorsätzliche Delikte wie
Betrug.
Das betrifft Schulden aus sogenannter unerlaubter Handlung. Aber das ist
ein umfangreiches und meist komplexes Problem. Nicht alles, was einem
Gläubiger unlauter erscheint ist auch unerlaubt.
Und nicht alles, was strafbar ist, führt zu einer
Ausnahme von der Restschuldbefreiung.

Gruß, ULF
Diedrich Ehlerding
2017-10-05 18:01:11 UTC
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Raw Message
Post by Martin Τrautmann
mein RA hat mich nun über das anstehende Insolvenzverfahren meines
Schuldners informiert.
Was heisst das für meine Forderungen? Da der Gerichtsvollzieher nach dem
"Offenbarungseid" ohnehin nichts mehr verwerten konnte heißt das, im
Insolvenzverfahren wird der Rest von nichts auf die Forderungen
verteilt? Nach sechs Jahren Wohlverhalten ist der Schuldner dann
schuldenfrei und mein Titel wertlos?
Wenn es um Wohlverhaltenszeit geht, handelt es sich wohl um eine
Privatinsolvenz. Ja, wenn er sich wohlverhält, ist dein Titel dann wertlos.

"Wohlverhalten" heißt insbesondere, dass der Schuldner Arbeit sucht, und
wenn er sie findet, den pfändbaren Teil seines Einkommens an den
Treuhänder abtritt, der das, was reinkommt, dann an die Gläubiger
verteilt. Und sollte der Schuldner in diesen 6 Jahren was erben, muss er
die Hälfte davon abgeben. (InsO §§ 287b, 295)

Wieviel pfändbares Einkommen da abgetreten wird, hängt natürlich davon
ab, was er verdient. Und wieviel davon für dich übrig bleibt, hängt u.a.
davon ab, wie hoch dein Anteil an der Gesamtsumme der Forderungen ist.
Post by Martin Τrautmann
Lohnt sich überhaupt das Anmelden von Forderungen oder verursacht das
nur noch weitere Kosten?
Im Falle der Privatinsolvenz legt schon der Schuldner beim Antrag ein
Verzeichnis der Forderungen bei, dessen Richtigkeit und Vollständigkeit
er versichern muss (InsO § 305). Deine (titulierte) Forderunsg steht da
vermutlich schon drin, denn wenn du gegen ihn schon versucht hast zu
vollstrecken, hat er mit Sicherheit Kenntnis von deiner Forderung. Du
kriegst dann automatisch die Möglichkeit, dazu und insbesondere zum
Schuldenbereinigungsplan Stellung zu nehmen (und wenn du nicht Stellung
nimmst, akzeptierst du den Plan, InsO § 307 ff.)).
Post by Martin Τrautmann
Habe ich noch Chancen auf Rückzahlung meiner Forderungen?
Realistischerweise wirst du wohl nur mit einem kleinen Teil rechnen
können, wenn überhaupt - es sei denn, siehe oben, die reiche Erbtante
des Schuldners stirbt unerwarteterweise.
Thomas Hochstein
2017-10-15 16:17:45 UTC
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Raw Message
Post by Martin Τrautmann
Was heisst das für meine Forderungen?
Sie dürfen nicht mehr außerhalb des Insolvenzverfahrens befriedigt
werden. Du kannst sie zur Tabelle anmelden und erhältst dann ggf.
einen Teil der Forderungen nach der entstehenden Quote. Nach Abschluss
des Insolvenzverfahren kannst Du sie nicht mehr durchsetzen.
Post by Martin Τrautmann
Nach sechs Jahren Wohlverhalten ist der Schuldner dann
schuldenfrei und mein Titel wertlos?
Ja, das ist der Sinn der Sache.
Post by Martin Τrautmann
Habe ich noch Chancen auf Rückzahlung meiner Forderungen?
Und sind die besser oder schlechter durch Anmeldung der Forderungen beim
Insolvenzverwalter?
Schlechter. Ggf. an Dich erfolgende Zahlungen wären anfechtbar.
Post by Martin Τrautmann
Aus welcher Masse wird der Insolvenzverwalter überhaupt bezahlt?
Aus der Insolvenzmasse.

Von dem, was der Schuldner noch hat oder in Raten zahlt, werden zuerst
die Verfahrenskosten einschließlich des Verwalters bestritten. Der
Rest wird dann auf die Gläubiger verteilt.

-thh
--
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U***@web.de
2017-10-16 10:22:55 UTC
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Raw Message
Post by Thomas Hochstein
Post by Martin Τrautmann
Was heisst das für meine Forderungen?
Sie dürfen nicht mehr außerhalb des Insolvenzverfahrens befriedigt
werden.
Allerdings können sie sogar nach einer
Restschuldbefreiung befriedigt werden.
Post by Thomas Hochstein
Du kannst sie zur Tabelle anmelden und erhältst dann ggf.
einen Teil der Forderungen nach der entstehenden Quote. Nach Abschluss
des Insolvenzverfahren kannst Du sie nicht mehr durchsetzen.
Das ist richtig.

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