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Gericht verurteilt Innenstadtraser wegen Mordes
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Axel Diedrich
2017-02-27 11:04:25 UTC
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Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.

https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments

Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.

Mal sehen was die Revision ergibt.
Der Habakuk.
2017-02-27 11:22:30 UTC
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Raw Message
Post by Axel Diedrich
Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
Mal sehen was die Revision ergibt.
Ich glaube nicht, daß es Bestand haben wird.

Bei den speziellen Umständen des Falles geht für mich eine Verurteilung
wegen Mord in Ordnung. Und dankenswerterweise hat das Gericht auch eine
lebenslange Führerscheinsperre ausgesprochen.

Alles in allem: OK so!

Die zwei kriminellen Witzfiguren wollten *Bewährung* für sich, das muß
man sich mal unter diesem Umständen vorstellen!
--
*Ceterum censeo religionem Mohammedanicam esse coercendam!*

---
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Roman Racine
2017-02-27 11:47:58 UTC
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Post by Axel Diedrich
Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
In der Schweiz wurde der erste dieser Art schon 2004 rechtskräftig wegen
vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. (Das
Delikt "vorsätzliche Tötung" gibt es im deutschen Strafgesetzbuch nicht.)
Ähnliche Fälle mit Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren gab es in den
darauf folgenden Jahren ebenfalls. Nachdem sich diese Gerichtspraxis nun in
der Schweiz etabliert hat, frage ich mich, wie man bei massiven
Geschwindigkeitsübertretungen wie 120 km/h zu schnell innerorts auf die Idee
kommen kann, lediglich fahrlässige Begehung zu vermuten.

Gruss

Roman°
Fritz
2017-02-27 11:56:03 UTC
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Post by Roman Racine
Post by Axel Diedrich
Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
In der Schweiz wurde der erste dieser Art schon 2004 rechtskräftig wegen
vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. (Das
Delikt "vorsätzliche Tötung" gibt es im deutschen Strafgesetzbuch nicht.)
Ähnliche Fälle mit Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren gab es in den
darauf folgenden Jahren ebenfalls. Nachdem sich diese Gerichtspraxis nun in
der Schweiz etabliert hat, frage ich mich, wie man bei massiven
Geschwindigkeitsübertretungen wie 120 km/h zu schnell innerorts auf die Idee
kommen kann, lediglich fahrlässige Begehung zu vermuten.
Wer *wissentlich* den Tod anderer in Kauf nimmt, ist in so einem Fall
des Mordes anzuklagen.
--
Fritz
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Axel Diedrich
2017-02-27 14:08:32 UTC
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Post by Roman Racine
In der Schweiz wurde der erste dieser Art schon 2004 rechtskräftig wegen
vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. (Das
Delikt "vorsätzliche Tötung" gibt es im deutschen Strafgesetzbuch nicht.)
Im Prinzip schon: Nennt sich Totschlag, und beinhaltet die vorsätzliche
Tötung ohne zusätzliche Mordmerkmale.
Post by Roman Racine
Ähnliche Fälle mit Haftstrafen zwischen fünf und sieben Jahren gab es in den
darauf folgenden Jahren ebenfalls. Nachdem sich diese Gerichtspraxis nun in
der Schweiz etabliert hat, frage ich mich, wie man bei massiven
Geschwindigkeitsübertretungen wie 120 km/h zu schnell innerorts auf die Idee
kommen kann, lediglich fahrlässige Begehung zu vermuten.
Das liegt wohl daran, dass man den Tätern bisher abgenommen hat bzw
abnehmen musste, dass diese in maßloser Selbstüberschätzung darauf
vertrauten, die Situation doch noch ausreichend unter Kontrolle zu
haben.

Was diesen Fall aber möglicherweise anders macht, ist dass die
Geschwindigkeit wohl sehr genau festgestellt und das Überfahren mehrerer
roter Ampeln nachgewiesen werden konnte.

Bei 170 innerstädtisch bei rot über eine Kreuzung zu fahren, da gibt es
objektiv keinen Spielraum mehr für den Fahrer. Aber wie weist man ihm
nach, dass er das in sein Bewusstsein aufgenommen hat?

Der Anwalt sagt, dass sein Mandat gar nicht in der Lage sei, soweit zu
denken.
Siegfrid Breuer
2017-02-27 15:46:00 UTC
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Post by Axel Diedrich
Bei 170 innerstädtisch bei rot über eine Kreuzung zu fahren, da gibt
es objektiv keinen Spielraum mehr für den Fahrer. Aber wie weist man
ihm nach, dass er das in sein Bewusstsein aufgenommen hat?
Zumal er schon damals im Kinderzimmer die Actonfilme inhaliert hat,
wo sowas immer problemlos gut geht.
--
Post by Axel Diedrich
Fressen, Ficken, Fernsehen. (neuerdings auch noch YouTube ;-)
Und unseren Trieben folgen zu koennen, soll das etwa kein Interesse sein?
[Ottmar Ohlemacher erlaeutert seinen intellektuellen
Entwicklungsstand in <y2xis819fn4v.cmpkvy9f17rw$***@40tude.net>]
-> das Wahrheitsministerium raet: <http://www.hinterfotz.de/boese.html> <-
Fritz
2017-02-27 11:53:33 UTC
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Post by Axel Diedrich
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mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
Nun ein längst fälliges Zeichen!?
--
Fritz
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Hierconf(s) ~ DHDDDIDH = do hockn de do de imma do hockn
Wolfgang Jäth
2017-02-27 12:49:56 UTC
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Post by Axel Diedrich
Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
Mal sehen was die Revision ergibt.
Mich würde erst mal die schriftliche Urteilsbegründung interessieren;
insbesondere welches der in § 211 StGB aufgeführten Mordmerkmale
(Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier, niedrige
Beweggründen, Heimtücke, Grausamkeit, gemeingefährliche Mittel, oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken) die Richter
auszumachen glauben.

Auch wenn ich dem Urteilsspruch moralisch und v. a. emotional
nachvollziehen kann, juristisch kann ich es nicht. Auch in dem auf o. a.
Seite angebotenen Video ist nur die Rede von 'billigend in Kauf
genommen'. Aber das ist kein Mordmerkmal; das ist noch nicht mal Vorsatz
aka Totschlag. Bleibt also IMHO doch nur nur die fahrlässige Tötung. Der
Richter kann IMHO bestenfalls auf die besondere Schwere der
Schuld abstellen; leider.

Andererseits scheint das nicht der erste Fall einer Mordanklage wegen
eines tödlichen Unfalls zu sein (vgl.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/limburg-geisterfahrer-wegen-mordes-zu-lebenslanger-haft-verurteilt-a-1068665.html
). Obwohl /der/ Urteilsspruch schon über 1 Jahr her ist, hab ich
trotzdem leider kein Aktenzeichen dazu im Web finden können.

Wolfgang
--
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Carsten Thumulla
2017-02-27 13:16:31 UTC
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keine Tötungsabsicht -- Gesinnungsjustiz
Fritz
2017-02-27 14:22:34 UTC
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Post by Carsten Thumulla
keine Tötungsabsicht
doch!

Das Urteil hat schon seine Berechtigung!
--
Fritz
Usenet Akronyme auf Alpenländisch:
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Hierconf(s) ~ DHDDDIDH = do hockn de do de imma do hockn
Christoph Müller
2017-02-27 15:01:31 UTC
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Post by Fritz
Post by Carsten Thumulla
keine Tötungsabsicht
doch!
Das Urteil hat schon seine Berechtigung!
Nämlich die: "Aus dem Weg, oder ich bring' dich um." Was ja dann auch
passiert ist. Ohne der Chance, dass der Getötete überhaupt aus den Weg
gehen konnte. Dafür war die verfügbare Zeit zu kurz.
--
Servus
Christoph Müller
http://www.astrail.de
Roman Racine
2017-02-27 13:22:48 UTC
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Post by Wolfgang Jäth
Auch wenn ich dem Urteilsspruch moralisch und v. a. emotional
nachvollziehen kann, juristisch kann ich es nicht. Auch in dem auf o. a.
Seite angebotenen Video ist nur die Rede von 'billigend in Kauf
genommen'. Aber das ist kein Mordmerkmal; das ist noch nicht mal Vorsatz
aka Totschlag. Bleibt also IMHO doch nur nur die fahrlässige Tötung. Der
Richter kann IMHO bestenfalls auf die besondere Schwere der
Schuld abstellen; leider.
"Billigend in Kauf nehmen" ist selbstverständlich vorsätzliche Begehung.

Gruss

Roman°
Carsten Thumulla
2017-02-27 13:40:20 UTC
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Post by Roman Racine
"Billigend in Kauf nehmen" ist selbstverständlich vorsätzliche Begehung.
Blödsinn, dann würde man es Vorsatz nennen!


Carsten
--
Diese "Jugendschützer" kommen in ihrer Nützlichkeit direkt nach
Ratten und Kakerlaken.
Kommando Dieter Kaufmann
Roman Racine
2017-02-27 14:07:11 UTC
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Post by Carsten Thumulla
Post by Roman Racine
"Billigend in Kauf nehmen" ist selbstverständlich vorsätzliche Begehung.
Blödsinn, dann würde man es Vorsatz nennen!
"Billigend in Kauf nehmen" ist exakt das, was man unter Eventualvorsatz
versteht. Leute, die "billigend in Kauf nehmen", sind wegen vorsätzlicher
Begehung zu verurteilen.

Eventuell solltest du dich zuerst informieren, bevor du mir gegenüber
ausfällig wirst.

Gruss

Roman°
Der Habakuk.
2017-02-27 14:07:16 UTC
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Raw Message
Post by Carsten Thumulla
Post by Roman Racine
"Billigend in Kauf nehmen" ist selbstverständlich vorsätzliche Begehung.
Blödsinn, dann würde man es Vorsatz nennen!
Einigen wir uns auf bedingten Vorsatz! :-)
--
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---
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Ralf Koenig
2017-02-27 14:14:46 UTC
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Raw Message
Post by Wolfgang Jäth
Post by Axel Diedrich
Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Im ersten Moment freut man sich, dass gegen dieses Klientel endlich mal
hart durchgegriffen wird, bei etwas Nachdenken frage ich mich allerdings
schon, wie es sein kann, dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
Mal sehen was die Revision ergibt.
Mich würde erst mal die schriftliche Urteilsbegründung interessieren;
insbesondere welches der in § 211 StGB aufgeführten Mordmerkmale
(Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier, niedrige
Beweggründen, Heimtücke, Grausamkeit, gemeingefährliche Mittel, oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken) die Richter
auszumachen glauben.
"niedrige Beweggründe" ("nach allgemeiner sittlicher Wertung auf
tiefster Stufe steht, durch hemmungslose, triebhafte Eigensucht bestimmt
und deshalb besonders verwerflich, ja verächtlich")

und

"gemeingefährliche Mittel" trifft es IMHO recht gut.

Ein Auto mit 1,5t und 170 km/h hat:
E_kin = m/2*v^2 = 1,7 MegaJoule


Eine Schusswaffe hingegen ist schon ab 7,5 J nicht mehr frei verkäuflich.


"Als Mord gilt auch die Tötung unter Einsatz eines gemeingefährlichen
Mittels. Dieses ist dadurch gekennzeichnet, dass es in der konkreten
Tatsituation eine Mehrzahl von Menschen an Leib und Leben gefährden
kann, weil der Täter die von ihm ausgehende Gefahr nicht beherrschen kann."


Das finde ich sehr passend in der unmittelbaren Nähe (1-2 Meter ist ein
Fußgänger vom Bordstein weg) von Fußgängern bei einer
Differenzgeschwindigkeit von 170 km/h.


Es braucht nur einer auf die Straße zu treten (selbst die Mutter/Vater,
Freundin/Freund, nahe Verwandte des Fahrers). Der Fahrer hat es nicht
mehr in der Hand bei Anhaltewegen von vielen Hundert Metern.

Da auch kein anderer Verkehrsteilnehmer damit rechnet, wird es Probleme
geben: Ausweichmanöver, Bremsungen anderer, große Geräuschbelästigung.
Und bei 170 km/h bewirken schon minimale Lenkwinkel das Abkommen von der
Fahrbahn.
Post by Wolfgang Jäth
Auch wenn ich dem Urteilsspruch moralisch und v. a. emotional
nachvollziehen kann, juristisch kann ich es nicht.
Ich schon. Ist längst überfällig.

Grüße,
Ralf
Helmut Schellong
2017-02-27 14:46:19 UTC
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Post by Wolfgang Jäth
Post by Axel Diedrich
Nu isses also passiert: Ein Gericht in Berlin gesteht grob
rücksichtslosen Straßenrennfahrern kein bewusst fahrlässiges Handeln
mehr zu, wenn bei Tempo 170 in der Innenstadt ein Unbeteiligter tödlich
verletzt wird.
https://www.welt.de/vermischtes/article162413826/Toter-bei-illegalem-Autorennen-Beide-Raser-wegen-Mordes-verurteilt.html#Comments
Mal sehen was die Revision ergibt.
Mich würde erst mal die schriftliche Urteilsbegründung interessieren;
insbesondere welches der in § 211 StGB aufgeführten Mordmerkmale
(Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier, niedrige
Beweggründen, Heimtücke, Grausamkeit, gemeingefährliche Mittel, oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken) die Richter
auszumachen glauben.
Du glaubst, es muß im Urteil mindestens eines der im Gesetz aufgeführten
Mordmerkmale wortwörtlich aufgeführt sein?
Ich denke das nicht!

============================================================================
Die Anklage argumentierte, die Männer hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden
vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf
genommen. Sie hätten gemeingefährliche Mittel eingesetzt und aus niedrigen
Beweggründen gehandelt, um ein illegales Rennen zu gewinnen.
Juristen nennen das einen bedingten Vorsatz.
============================================================================
Für Mord gelten zwei Voraussetzungen. Zum einen muss mindestens ein
bedingter Vorsatz vorliegen: Der Täter muss den Tod seines Opfers
voraussehend und billigend in Kauf nehmen, wie die Juristen dies ausdrücken.
Die Absicht einer Tötung wird nicht vorausgesetzt.
Zweite Voraussetzung für die Einstufung als Mord sind die Merkmale, die im
Strafgesetzbuch aufgeführt sind. Dazu gehören Mordlust, Habgier, Heimtücke,
Grausamkeit oder das Begehen der Tat zur Verdeckung anderer Straftaten oder
mit gemeingefährlichen Mitteln.
============================================================================
Post by Wolfgang Jäth
Auch wenn ich dem Urteilsspruch moralisch und v. a. emotional
nachvollziehen kann, juristisch kann ich es nicht. Auch in dem auf o. a.
Seite angebotenen Video ist nur die Rede von 'billigend in Kauf
genommen'. Aber das ist kein Mordmerkmal; das ist noch nicht mal Vorsatz
aka Totschlag. Bleibt also IMHO doch nur nur die fahrlässige Tötung. Der
Richter kann IMHO bestenfalls auf die besondere Schwere der
Schuld abstellen; leider.
Du siehst oben, daß die vorstehende Aussage falsch ist.
'billigend in Kauf genommen' ist die wichtige erste Mord-Voraussetzung.

Ich finde, daß das Gesetz dieses Urteil durchaus deckt.
Ein Richter muß solch ein Urteil nicht aussprechen, aber er kann und darf.

Das, was passiert ist, ist für mich als Laie quasi Mord.
Mit 170 km/h innerhalb einer Ortschaft, rote Ampeln ignorierend!
Da ist die Wahrscheinlichkeit für einen fürchterlichen Unfall sehr hoch.
Die Realität zeigt, daß das Opferfahrzeug 70 m weit durch die
Gegend geschleudert wurde, obwohl es sich um einen schweren Jeep
handelte! Das 'riecht' nach Tod!
--
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Schellong ***@schellong.biz
www.schellong.de www.schellong.com www.schellong.biz
http://www.schellong.de/c.htm
Jochen Spieker
2017-02-27 14:43:24 UTC
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Raw Message
Post by Wolfgang Jäth
Mich würde erst mal die schriftliche Urteilsbegründung interessieren;
insbesondere welches der in § 211 StGB aufgeführten Mordmerkmale
(Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier, niedrige
Beweggründen, Heimtücke, Grausamkeit, gemeingefährliche Mittel, oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken) die Richter
auszumachen glauben.
Steht doch im Artikel. Gemeingefährliche Mittel.

J.
--
My medicine shelf is my altar.
[Agree] [Disagree]
<http://archive.slowlydownward.com/NODATA/data_enter2.html>
Diedrich Ehlerding
2017-02-27 15:23:39 UTC
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Post by Wolfgang Jäth
Auch in dem auf o. a.
Seite angebotenen Video ist nur die Rede von 'billigend in Kauf
genommen'. Aber das ist kein Mordmerkmal; das ist noch nicht mal Vorsatz
aka Totschlag.
"Billigend in Kauf genommen" ist bedingter Vorsatz. Insofern läge ein
Urteil wegen Totschlag nahe (welche Mordmerkmale die Richter da
anführen, habe ich bisher leider nicht gefunden).
Diedrich Ehlerding
2017-02-27 15:20:29 UTC
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Post by Axel Diedrich
dass nur ein Hauch von Wertung zwischen
Bewährungs- und Höchsstrafe liegt.
Auch wenn das Gericht hier nicht auf bedingten Vorsatz, sondern
Fahrlässigkeit erkannt hätte, hätte es nicht notwendigerweise Bewährung
gegeben - es können bis zu 5 Jahre Knast dabei rauskommen. Der
Fahrdienstleiter in Bad Aibling ist zB zu 3½ Jahren verurteilt worden.
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