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Kostenfrage ...
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Reinhard Zwirner
2018-08-26 12:08:35 UTC
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Hi,

folgender theoretischer Fall:

Ein Fluggast FG verpaßt durch die Verspätung eines Fluges des
Luftfahrtunternehmens LU von A nsch B den letzten Flug desselben LUs
von B an seinen Heimatort und erreicht diesen erst mit 11 h
Verspätung; die Übernachtungs- inkl. sämtlicher "Nebenkosten" werden
vom LU getragen.

FG beansprucht die Verspätungsentschädigung i. H. v. 250,- € vom LU.
LU lehnt mit z. B. einer wie der folgenden Begründung ab, weil die
Verspätung des ersten Fluges (von A nach B) nicht auf Ihrem
Verschulden beruhe:

"Der Grund für die Annullierung Ihres Fluges war ein Zwischenfall
durch einen unserer Fluggäste auf dem Vorflug. Selbstverständlich
leisten wir alles Erdenkliche dafür, um unsere Passagiere stets
pünktlich und zuverlässig an ihr Reiseziel zu bringen. Ein solcher
Vorfall war für uns weder vorherzusehen noch zu vermeiden."

FG ist rechtsschutzversichert mit Selbstbeteiligung SB 150,- €. Die
Rechtsschutzversicherung RV trägt allerdings die Kosten eines
Schlichtungsversuches und stellt dazu Kontakt zu einem Rechtsanwalt
RA her. Dieser bezeichnet die Ablehnungsbegründung des LUs als völlig
unzureichend und fordert dieses im Namen des FGs unter Fristsetzung
auf, die 250,- € zu zahlen: das LU reagiert nicht. Der RA informiert
den FG, daß damit seine Aufgabe beendet sei, und bezeichnet die
Nicht-Reaktion als übliches Verhalten von LUs in solchen Fällen; erst
auf einen Mahnbescheid werde im allgemeinen reagiert.

Nun zu meiner Frage: Wenn FG nunmehr unter Einschaltung der RV einen
RA einschaltet, der den Mahnbescheid beantragt, aufgrund dessen das
LU dann doch zahlt, erhält FG vermutlich im Endeffekt nur 100,- €
Entschädigung, da er ja gerichtlich nicht obsiegt hat. Nur, wenn es
zu einem Gerichtsverfahren kommt, in dem FG gewinnt und das LU
deshalb alle Kosten tragen muß, wird FG die vollen 250,- € bekommen;
wenn FG verliert, sind natürlich auch die 150,- € SB weg.

Ist es insofern besser, wenn FG den Mahnbescheid selbst beantragt und
die 250,- € + die Kosten des Mahnverfahrens fordert. Dann bekommt FG
im Falle das Einlenkens des LUs auf jeden Fall die vollen 250,- €.
Falls das LU dem MB widerspricht, kann der RA ja immer noch
eingeschaltet werden. Oder sollte eine der Online-Kanzleien OK
beauftragt werden? Dann hätte FG kein Kostenrisiko, würde im Fall des
Obsiegens aber auf einen Teil der Entschädigung zugunsten der OK
verzichten müssen.

Macht FG einen Denkfehler? Sollte besser von vornherein ein RA
eingeschaltet werden? Was meint Ihr Experten?

Für sachdienliche Hinweise dankt im voraus

Reinhard
U***@web.de
2018-08-26 14:16:06 UTC
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Post by Reinhard Zwirner
Oder sollte eine der Online-Kanzleien OK
beauftragt werden? Dann hätte FG kein Kostenrisiko, würde im Fall des
Obsiegens aber auf einen Teil der Entschädigung zugunsten der OK
verzichten müssen.
Das sind in dem Sine keine Kanzleien, sondern Forderungsaufkäufer,
die gerne auch mal in ihrer Flugverlaufsdatenbank recherchieren.

Wie viele Arbeitsstunden soll ein kompetenter
Reise- und Luftverkehrsrechts-RA Deiner Meinung nach
für gesetzliche Gebühren aus 250 Euro investieren,
ganz theoretisch?

Wenn ganz theoretisch einer die Sache letztobsiegend
ohne Honorarvereinbarung durchklagt, steht theoretisch
der Flugggast etwas besser dar. Theoretisch nach
einigen Jahren.

Mit theoretischem Gruß, ULF
Ulrich Maier
2018-08-26 17:44:01 UTC
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Post by Reinhard Zwirner
Wenn FG nunmehr unter Einschaltung der RV einen
RA einschaltet, der den Mahnbescheid beantragt, aufgrund dessen das
LU dann doch zahlt, erhält FG vermutlich im Endeffekt nur 100,- €
Entschädigung, da er ja gerichtlich nicht obsiegt hat.
Doch, hat er. mit dem Mahnbescheid wird ein Gerichtsverfahren eröffnet.

U.
Stefan Schmitz
2018-08-26 18:18:25 UTC
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Post by Reinhard Zwirner
Nun zu meiner Frage: Wenn FG nunmehr unter Einschaltung der RV einen
RA einschaltet, der den Mahnbescheid beantragt, aufgrund dessen das
LU dann doch zahlt, erhält FG vermutlich im Endeffekt nur 100,- €
Entschädigung, da er ja gerichtlich nicht obsiegt hat. Nur, wenn es
zu einem Gerichtsverfahren kommt, in dem FG gewinnt und das LU
deshalb alle Kosten tragen muß, wird FG die vollen 250,- € bekommen;
wenn FG verliert, sind natürlich auch die 150,- € SB weg.
Im Mahnbescheid werden auch die vorgerichtlichen Anwaltskosten eingefordert,
die das LU dann auch zahlen muss, wenn es ein streitiges Verfahren vermeiden will.
U***@web.de
2018-08-26 18:23:37 UTC
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Post by Stefan Schmitz
Im Mahnbescheid werden auch die vorgerichtlichen Anwaltskosten eingefordert,
die das LU dann auch zahlen muss, wenn es ein streitiges Verfahren vermeiden will.
Der Mahnbescheid als solcher ist nicht vollstreckbar.
Da müßte man schon die nächste Stufe gegangen sein
und ergriffen haben.
Martin Gerdes
2018-08-26 22:25:13 UTC
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Post by Reinhard Zwirner
Ein Fluggast FG verpaßt durch die Verspätung eines Fluges des
Luftfahrtunternehmens LU von A nsch B den letzten Flug desselben LUs
von B an seinen Heimatort und erreicht diesen erst mit 11 h
Verspätung; die Übernachtungs- inkl. sämtlicher "Nebenkosten" werden
vom LU getragen.
FG beansprucht die Verspätungsentschädigung i. H. v. 250,- € vom LU.
LU lehnt mit z. B. einer wie der folgenden Begründung ab, weil die
Verspätung des ersten Fluges (von A nach B) nicht auf Ihrem
LU lehnen Verspätungsentschädigungen immer ab. Man nennt das
betriebswirtschaftlich "Yield-Management": Einzelne FG klagen
schließlich doch, das wird individuell dann teurer für das LU, aber
etliche FG lassen sich ins Bockshorn jagen, hier spart das LU Geld.
Post by Reinhard Zwirner
FG ist rechtsschutzversichert mit Selbstbeteiligung SB 150,- €.
Leute, die Kosten scheuen, geben solche Sachen sinnvollerweise ab an
spezielle Fluggastentschädigungseintreibeunternehmen. Die verlangen zwar
relativ viel Provision, aber sie sparen Ärger.

In einem Fall in der Bekanntschaft hat ein Rechtsanwalt aus dem Internet
das gemacht, der ausweislich seiner Seite sich auf solche Dinge
spezialisiert hat. Das ist gerade bei geringen Streitwerten sicher eine
gute Idee statt den RA an der Ecke zu beauftragen, der das das erste Mal
macht.
Frank Hucklenbroich
2018-08-30 07:09:43 UTC
Permalink
Post by Reinhard Zwirner
Hi,
Ein Fluggast FG verpaßt durch die Verspätung eines Fluges des
Luftfahrtunternehmens LU von A nsch B den letzten Flug desselben LUs
von B an seinen Heimatort und erreicht diesen erst mit 11 h
Verspätung; die Übernachtungs- inkl. sämtlicher "Nebenkosten" werden
vom LU getragen.
FG beansprucht die Verspätungsentschädigung i. H. v. 250,- € vom LU.
LU lehnt mit z. B. einer wie der folgenden Begründung ab, weil die
Verspätung des ersten Fluges (von A nach B) nicht auf Ihrem
"Der Grund für die Annullierung Ihres Fluges war ein Zwischenfall
durch einen unserer Fluggäste auf dem Vorflug. Selbstverständlich
leisten wir alles Erdenkliche dafür, um unsere Passagiere stets
pünktlich und zuverlässig an ihr Reiseziel zu bringen. Ein solcher
Vorfall war für uns weder vorherzusehen noch zu vermeiden."
FG ist rechtsschutzversichert mit Selbstbeteiligung SB 150,- €.
Es gibt Agenturen, die genau solche Forderungen ankaufen, und dafür ca 20%
Provision verlangen. Wir haben das dieses Jahr bei einem um 7,5 Stunden
verspäteten Flug von Montego Bay nach Köln gemacht, da ging es um 3 x600 =
1.800 EUR. Da standen dann in Köln am Gate schon die Leute von einer dieser
Agenturen und haben Karten verteilt. Wir haben das Online ausgefüllt und
hatten ca. 10 Tage später ungefähr 1.450 EUR auf dem Konto, der Rest war
Provision. Ohne Anwalt, Ärger und Vorkasse.

Allerdings prüfen die Agenturen genau, was der Grund für die Verspätung
war. Bei uns eine defekte Maschine, das hat klar die Airline zu
verantworten. Bei einem Vorfall mit einem Fluggast mag das wieder anders
aussehen, aber einen Versuch wäre es mir wert, bevor ich mir einen Anwalt
nehme.

Die Agentur, die wir benutzt haben, war die "Flighright-GmbH", aber es gibt
noch andere

Ein Bekannter von mir hatte einen ähnlichen Fall (da ging es allerdings nur
um 250 EUR), der hat es erst direkt bei der Airline versucht, die haben ihn
ein halbes Jahr lang hingehalten. Dann ist er auch zu so einer Agentur
gegangen, und hatte nach zwei Wochen sein Geld.

Grüße,

Frank

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