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Medion, Neuer Dreh?
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Peter
2018-09-18 17:13:51 UTC
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Ich habe da von Medion eine Spam-Mail erhalten.
Es findet sich da folgender Satz:

Bei dieser Nachricht handelt es sich um ein anlassbezogenes Mailing, das
unabhängig von einer eventuellen Newsletterbestellung und/oder einer
ausdrücklichen Werbeeinwilligung versendet wird. Eine solche Direktwerbung für
eigene ähnliche Produkte ist zulässig, sofern der Kunde dem nicht
widerspricht.

Ach, und ich dachte, die Zeiten sind vorbei wo man Werbung ausdrücklich
widersprechen muss.
Was ist das denn für ein neuer Dreh, eine neue Gesetzeslücke?

Zum einen frage ich mich, was an der Mail wohl anlassbezogen ist.
Es werden Saugroboter für den Semesteranfang beworben.
Soll der an den Haaren herbeigezogene Semesteranfang der Anlass sein?

Zum anderen ist die Werbung wenig zielgerichtet.
Ich bin Rentner, kein Student.

Wie lange darf ein Unternehmen überhaupt Kundendaten speichern und verwenden,
die für die Geschäftsabwicklung nicht mehr relevant sind? Meine letzte
Bestellung bei Medion liegt Jahre zurück.

Gruß
Peter
Wolfgang Jäth
2018-09-18 17:57:21 UTC
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Post by Peter
Ich habe da von Medion eine Spam-Mail erhalten.
Bei dieser Nachricht handelt es sich um ein anlassbezogenes Mailing, das
unabhängig von einer eventuellen Newsletterbestellung und/oder einer
ausdrücklichen Werbeeinwilligung versendet wird. Eine solche Direktwerbung für
eigene ähnliche Produkte ist zulässig, sofern der Kunde dem nicht
widerspricht.
Ach, und ich dachte, die Zeiten sind vorbei wo man Werbung ausdrücklich
widersprechen muss.
Jein; das ein Stichwort hier ist "Werbung für *eigene* [Hervorhebung von
mir] Produkte", und das zweite Strichwort ist "Bestandskunden". Unter
diesen beiden Voraussetzungen ist gemäß § 7 Abs. 3 UWG Werbung nach wie
vor Opt-Out. Das darf man nicht verwechseln mit Werbung an Nicht-Kunden
oder Newslettern; das ist Opt-In, und dafür ist dann das BDSG zuständig.
Post by Peter
Was ist das denn für ein neuer Dreh, eine neue Gesetzeslücke?
Weder noch, sondern eine eher uralte 'Gesetzeslücke'.
Post by Peter
Zum einen frage ich mich, was an der Mail wohl anlassbezogen ist.
"Anlassbezogen" ist zwar irelevant, aber wenn du unbedingt darauf
bestehst: Der Anlass ist, dass das betreffende Produkt beworben wird.
Mehr Anlass braucht es nicht. Entscheidend ist, dass du Bestandskunde
bist, und anscheinend Werbung nach § 7 UWG nicht widersprochen hast.
Post by Peter
Es werden Saugroboter für den Semesteranfang beworben.
Soll der an den Haaren herbeigezogene Semesteranfang der Anlass sein?
Zum anderen ist die Werbung wenig zielgerichtet.
Ich bin Rentner, kein Student.
<advocatus diaboli> Rentner haben i. d. R. mehr Geld als Studenten;
vielleicht ist die Werbung also gar nicht so ziellos, wie du meinst ...
</advocatus diaboli> <duck>
Post by Peter
Wie lange darf ein Unternehmen überhaupt Kundendaten speichern und verwenden,
die für die Geschäftsabwicklung nicht mehr relevant sind? Meine letzte
Bestellung bei Medion liegt Jahre zurück.
Unterlagen wie Bücher usw. (inklusive den betreffenden Kundenstammdaten)
müssen bis zu 10 Jahre aufbewahrt werden; diesbezügliche Vorschriften
finden sich u. a. im HGB und in der AO. Entsprechend lange können die
Daten auch "anderweitig" genutzt werden (natürlich nur im Rahmen der
Gesetze, wie z. B. § 7 UWG o. ä.).

Wolfgang
--
Durch Donald Trump ist mir endgültig klar geworden: Es ist
nicht der Turm von Pisa, der schief steht, es ist die Welt!
U***@web.de
2018-09-18 18:40:18 UTC
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Post by Wolfgang Jäth
Unterlagen wie Bücher usw. (inklusive den betreffenden Kundenstammdaten)
müssen bis zu 10 Jahre aufbewahrt werden; diesbezügliche Vorschriften
finden sich u. a. im HGB und in der AO. Entsprechend lange können die
Daten auch "anderweitig" genutzt werden (natürlich nur im Rahmen der
Gesetze, wie z. B. § 7 UWG o. ä.).
Wie was? Nach Datenschutzgrundverordnung Mindestspeicherung 10 Jahre?

Interessant.

Gruß, ULF
Gerald Gruner
2018-09-18 21:08:55 UTC
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Post by U***@web.de
Post by Wolfgang Jäth
Unterlagen wie Bücher usw. (inklusive den betreffenden Kundenstammdaten)
müssen bis zu 10 Jahre aufbewahrt werden; diesbezügliche Vorschriften
finden sich u. a. im HGB und in der AO. Entsprechend lange können die
Daten auch "anderweitig" genutzt werden (natürlich nur im Rahmen der
Gesetze, wie z. B. § 7 UWG o. ä.).
Wie was? Nach Datenschutzgrundverordnung Mindestspeicherung 10 Jahre?
Ja, und?
Da es hierfür eine gesetzliche Grundlage gibt, ist das kein Problem für die
DSGVO.
Post by U***@web.de
Interessant.
Ach?

MfG
Gerald
--
"Schauen Sie sich Tsipras an, schauen Sie sich Varoufakis an. Würden Sie
von denen einen Gebrauchtwagen kaufen? Wenn Sie das mit Nein beantworten,
sollten sie auch hier mit Nein stimmen." - Klaus-Peter Willsch, MdB, im
Bundestag zur Abstimmung zu weiteren Hilfspaketen für Griechenland
Peter
2018-09-19 09:27:57 UTC
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Danke für die Infos
Da stellt sich nur noch folgende Frage:
Ist jemand, der vor Jahren bei einem Unternehmen einmalig etwas gekauft hat,
noch ein Bestandskunde im eigentlichen Sinne??
Definiert ist dieser Begriff ja wohl nirgends
Damit ist dem Werbemüll ja Tür und Tor geöffnet

Ein weiteres Beispiel:
Ich bekomme seit Jahren Werbung von einem Möbelhaus und einem Reisebüro.
Allerdings per Brief.
Die Kontakte stammen aus Zeiten, da waren EDV und Internet überhaupt noch kein
Thema.
Man hat also persönliche Daten aus den Verträgen erst späterhin in die EDV
übernommen und bis heute nicht gelöscht.
Das kann doch nicht ok sein.

Gruß
Peter
Dieter Sporer
2018-09-19 09:55:43 UTC
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Post by Peter
Danke für die Infos
Ist jemand, der vor Jahren bei einem Unternehmen einmalig etwas gekauft hat,
noch ein Bestandskunde im eigentlichen Sinne??
Definiert ist dieser Begriff ja wohl nirgends
Damit ist dem Werbemüll ja Tür und Tor geöffnet
Ich bekomme seit Jahren Werbung von einem Möbelhaus und einem Reisebüro.
Allerdings per Brief.
Die Kontakte stammen aus Zeiten, da waren EDV und Internet überhaupt noch kein
Thema.
Man hat also persönliche Daten aus den Verträgen erst späterhin in die EDV
übernommen und bis heute nicht gelöscht.
Das kann doch nicht ok sein.
Gruß
Peter
Warum kann das nicht ok sein? hast du ueberhaupt schon mal die loeschung verlangt?
Diedrich Ehlerding
2018-09-19 12:14:21 UTC
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Post by Peter
Ist jemand, der vor Jahren bei einem Unternehmen einmalig etwas gekauft hat,
noch ein Bestandskunde im eigentlichen Sinne??
Je nachdem was er gekauft hat und zu welchen Vertragsbedingungen kann
er sehr wohl Bestadskunde sein. Etwa sdann, wenn der Kaufvertrag auch
eine Händlergarantie umnfasste, mindestens für die Dauer dieser Garantie.
Peter
2018-09-20 09:22:01 UTC
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Post by Diedrich Ehlerding
Post by Peter
Ist jemand, der vor Jahren bei einem Unternehmen einmalig etwas gekauft hat,
noch ein Bestandskunde im eigentlichen Sinne??
Je nachdem was er gekauft hat und zu welchen Vertragsbedingungen kann
er sehr wohl Bestadskunde sein. Etwa sdann, wenn der Kaufvertrag auch
eine Händlergarantie umnfasste, mindestens für die Dauer dieser Garantie.
Das steht außer Frage
Deshalb schrieb ich ja auch:
Wie lange darf ein Unternehmen überhaupt Kundendaten speichern und verwenden,
die für die Geschäftsabwicklung nicht mehr relevant sind?

Ich habe jetzt noch einmal Google befragt
Dabei bin ich auf den Begriff Listenprivileg gestoßen
https://www.datenschutz.org/werbung/
https://de.wikipedia.org/wiki/Listenprivileg

Interessant ist dabei der letzte Satz bei Wikipedia:
Am 25. Mai 2018 trat die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in
Kraft. Dazu wurde das Bundesdatenschutzgesetz neu gefasst. Damit entfiel das
Listenprivileg.

Genau darauf scheinen sich Medion und die anderen von mir genannten
Unternehmen aber immer noch zu beziehen.

Gruß
Peter
Wolfgang Jäth
2018-09-20 12:38:40 UTC
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Post by Peter
Post by Diedrich Ehlerding
Post by Peter
Ist jemand, der vor Jahren bei einem Unternehmen einmalig etwas gekauft hat,
noch ein Bestandskunde im eigentlichen Sinne??
Je nachdem was er gekauft hat und zu welchen Vertragsbedingungen kann
er sehr wohl Bestadskunde sein. Etwa sdann, wenn der Kaufvertrag auch
eine Händlergarantie umnfasste, mindestens für die Dauer dieser Garantie.
Das steht außer Frage
Wie lange darf ein Unternehmen überhaupt Kundendaten speichern und verwenden,
die für die Geschäftsabwicklung nicht mehr relevant sind?
Ich habe jetzt noch einmal Google befragt
Dabei bin ich auf den Begriff Listenprivileg gestoßen
https://www.datenschutz.org/werbung/
https://de.wikipedia.org/wiki/Listenprivileg
Sorry, da bist du irgendwie falsch abgebogen; das Listenprivileg hat nix
mit Bestandskunden o. ä. zu tun, sondern damit, dass /bestimmte/ (im
Gesetz abschließend aufgelistete) personenbezogene Daten auch ohne
Einwilligung des Betroffenen verarbeitet (und insbesondere
weitergegeben) werden durften, wenn sie, und /nur/ diese, zusammen mit
/einem/ weiteren Merkmal [1] listenmäßig zusammengefasst waren.

[1] durch welches die Liste selbst definiert war; also z. B. "Liste von
Linkshändern" o. ä.; dagegen wäre z. B. "Liste von männlichen
Linkshändern" schon nicht mehr erlaubt gewesen, da das /zwei/
zusätzliche Merkmale ("männlich" + "Linkshänder") enthielte.
Post by Peter
Am 25. Mai 2018 trat die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in
Kraft. Dazu wurde das Bundesdatenschutzgesetz neu gefasst. Damit entfiel das
Listenprivileg.
Ja.
Post by Peter
Genau darauf scheinen sich Medion und die anderen von mir genannten
Unternehmen aber immer noch zu beziehen.
Nein; kann insbesondere auch gar nicht sein, da das Listenprivileg ja,
wie du richtig schrubst, durch die DSGVO hinfällig wurde.

Im Gegensatz zum BDSG hat die DSGVO aber nix am UWG geändert; die dort
erlaubte Ausnahme aka Opt-Out-Bestimmung ist nach wie vor gültig.

Wolfgang
--
Durch Donald Trump ist mir endgültig klar geworden: Es ist
nicht der Turm von Pisa, der schief steht, es ist die Welt!
Peter Koerber
2018-09-19 20:27:02 UTC
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Post by Peter
Ich bekomme seit Jahren Werbung von einem Möbelhaus und einem Reisebüro.
Allerdings per Brief.
Die Kontakte stammen aus Zeiten, da waren EDV und Internet überhaupt noch kein
Thema.
Auf meinem Postamt kennt man mich sehr gut und da tut man (fast) alles
für mich, wenn ich danach frage. In einem Fall wie von Dir genannt habe
ich dann die Auswahl (Kleber oder Stempel der Post) inkl. Rücksendung an
den Absender:
-Unbekannt
-Abgereist ohne Adressangabe
-Gestorben

Den "Gestorben"-Kleber verlange ich erst, wenn zuvor die beiden Anderen
nichts genützt haben.
Peter
Wolfgang Jäth
2018-09-20 05:26:47 UTC
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Post by Peter Koerber
Post by Peter
Ich bekomme seit Jahren Werbung von einem Möbelhaus und einem Reisebüro.
Allerdings per Brief.
Die Kontakte stammen aus Zeiten, da waren EDV und Internet überhaupt noch kein
Thema.
Auf meinem Postamt kennt man mich sehr gut und da tut man (fast) alles
für mich, wenn ich danach frage. In einem Fall wie von Dir genannt habe
ich dann die Auswahl (Kleber oder Stempel der Post) inkl. Rücksendung an
-Unbekannt
-Abgereist ohne Adressangabe
-Gestorben
Den "Gestorben"-Kleber verlange ich erst, wenn zuvor die beiden Anderen
nichts genützt haben.
Es gäbe übrigens auch noch das simple "Annahme verweigert". Aber Werbung
wird heutzutage i.d.R. als sogenannte Infopost verschickt, das ist ein
besonders günstiger Tarif für Massensendungen. Und Bestandteil der
Nutzungsbedingungen für Infopost aus Kostengründen ist AFAIK, dass
Rückläufer gar nicht erst zurück geschickt werden, sondern direkt vor
Ort von der Post entsorgt. M.a.W. bekommt der Werbende davon gar nix mit.

Wolfgang
--
Durch Donald Trump ist mir endgültig klar geworden: Es ist
nicht der Turm von Pisa, der schief steht, es ist die Welt!
Martin Gerdes
2018-09-20 21:56:03 UTC
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Post by Peter Koerber
Post by Peter
Ich bekomme seit Jahren Werbung von einem Möbelhaus und einem Reisebüro.
Allerdings per Brief.
Wirklich? _Brief_? Nicht "Infopost"?
Post by Peter Koerber
Auf meinem Postamt kennt man mich sehr gut und da tut man (fast) alles
für mich, wenn ich danach frage. In einem Fall wie von Dir genannt habe
ich dann die Auswahl (Kleber oder Stempel der Post) inkl. Rücksendung an
-Unbekannt
-Abgereist ohne Adressangabe
-Gestorben
Werbung wird heutzutage i.d.R. als sogenannte Infopost verschickt,
das ist ein besonders günstiger Tarif für Massensendungen. Und Bestandteil der
Nutzungsbedingungen für Infopost aus Kostengründen ist AFAIK, dass
Rückläufer gar nicht erst zurück geschickt werden, sondern direkt vor
Ort von der Post entsorgt. M.a.W. bekommt der Werbende davon gar nix mit.
ACK und ACK.

Eine pragmatische Lösung gilt für Infopost wie auch für Spam: Einfach
wegwerfen (bzw. DEL tippen). Das ist zwar nicht die prinzipielle Lösung,
die der OP gern hätte, aber die mit dem für mich als Empfänger
geringsten Aufwand.
Wolfgang Jäth
2018-09-21 05:54:05 UTC
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Post by Martin Gerdes
Post by Peter
Ich bekomme seit Jahren Werbung von einem Möbelhaus und einem Reisebüro.
Allerdings per Brief.
Wirklich? _Brief_? Nicht "Infopost"?
Hint: "Brief" ist der Oberbegriff für eine bestimmte Versendungsform.
"Infopost" ist eine Portiovariante /für/ diese Versendungsform, genauso
wie "Standardbrief" oder "Großbrief" usw.

Wolfgang
--
Durch Donald Trump ist mir endgültig klar geworden: Es ist
nicht der Turm von Pisa, der schief steht, es ist die Welt!
Rupert Haselbeck
2018-09-20 22:30:13 UTC
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Post by Wolfgang Jäth
Es gäbe übrigens auch noch das simple "Annahme verweigert". Aber Werbung
wird heutzutage i.d.R. als sogenannte Infopost verschickt, das ist ein
besonders günstiger Tarif für Massensendungen. Und Bestandteil der
Nutzungsbedingungen für Infopost aus Kostengründen ist AFAIK, dass
Rückläufer gar nicht erst zurück geschickt werden, sondern direkt vor
Ort von der Post entsorgt. M.a.W. bekommt der Werbende davon gar nix mit.
"Infopost" wurde vor 3 Jahren eingestellt...
Der Nachfolger nennt sich "Dialogpost"

MfG
Rupert
Mark Obrembalski
2018-09-21 21:29:51 UTC
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Post by Wolfgang Jäth
Aber Werbung
wird heutzutage i.d.R. als sogenannte Infopost verschickt, das ist ein
besonders günstiger Tarif für Massensendungen. Und Bestandteil der
Nutzungsbedingungen für Infopost aus Kostengründen ist AFAIK, dass
Rückläufer gar nicht erst zurück geschickt werden, sondern direkt vor
Ort von der Post entsorgt. M.a.W. bekommt der Werbende davon gar nix mit.
Keine Regel ohne Ausnahme aber, und von dieser Regel gibt es meiner
Wahrnehmung nach gar nicht wenige Ausnahmen. Manch einer lässt sich die
Hilfe der Post bei der Pflege seines Verteilers durchaus was kosten. Und
um beim potenziellen Kunden gut anzukommen, wird so manche Werbung sogar
mit aufgeklebter Sondermarke verschickt. Im Fall von Medion ist der
Verteiler dafür allerdings vermutlich zu groß - aber wer weiß?

Gruß,
Mark

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